Spuk des Alltags - Alexander Moritz Frey
Hier haben wir elf groteske Geschichten; bei den meisten handelt es sich um, wie der Einleiter sagt, seelische Grenzzustände. Gespenster und Hexen tauchen manchmal auf, aber der Autor befaßt sich eher mit dem Grauen des Geistes. Mörder gibt es hier viele, und zwar nicht abgebrühte, betriebsmäßige sondern Einzelgänger die von ihren Taten gepeinigt werden. Wenn die Hauptfiguren dieser Erzählungen nicht anfangs irre sind, so enden sie im Verfall. Aber die Zeiten, wo A. M. Frey schrieb, riefen diese Stimmung herbei. Es war 1920, und Frey hatte längst nicht seinen Kriegsdienst geistig hinter sich (was er in „Verzweiflung“ direkt ausdrückt); auch die gesellschaftliche Spannung kommt hier zum Schein. Einige der Geschichten enthalten böse satirische Züge, wie „Verneinung“ und vor allem „Verwirrung“. Da wird es witzig und schauderhaft zugleich; „Versammlung“ ist einfach bizarr-komisch im äußersten Grad.

Ich sollte eigentlich das alles lieben, und doch hat es mich einigermaßen enttäuscht. Einiges ist voraussehbar das wie eine Überraschung beschrieben wird, und es gibt Wiederholungen („Verfolgung“ und „Verwesung“ sind beide ziemlich gut, aber einander zu ähnlich). Es ist ein Vorteil, das Frey unterschiedliche Schreibweisen benutzt, und eine sprachliche Reiche hat, aber manchmal strebt er zu betont nach Wirkung. Trotzdem glaube ich daß es sich gelohnt hat, das Buch zu lesen.