Das Leben ist eine Karawanserei, hat zwei Türen, aus einer kam ich rein, aus der anderen ging ich raus - Emine Sevgi Özdamar
Dieses Buch fängt an, als ein ungeborenes Kind im Bauch ihrer Mutter bemerkt, daß Soldatenmäntel nach toten Soldaten riechen, und dann lässt es nicht mehr los: in ein hastiges, impressionistisches Erzählfluss, schildert es ein Kinderleben und gibt auch ein seltsames Blickwinkel auf die Türkei der 50er und 60er Jahre.

Es haftet nah an die innere Erlebnisse des Kindes, und alle Beobachtungen sind auf ihre Art erzählt, zusammengehalten von wiederholte Gedanken, Geschichten (oft mehrmals erzählt), wiederholte Sätze, Rituäle, Beschworungen gegen das Ungluck und die Hölle, Gebete. Das Kind sammelt Toten und zählt sie auf, betet für sie, jede Nacht vor dem Schlaf. Diese Litanei ist auch eine Anordnung ihrer Erinnerungen.

Dieser Art von Erzählen lässt die Familienmitglieder (Mutter, Vater, Großmutter, Bruder) scharf hervorstechen, mit ihre characteristischen Zügen -- nicht karikiert, aber so, als ob man sie gleich erkennen würde. Auch ihre Sorgen sind verständlich, wenn nur indirekt geschildert.

Am Ende muss die Erzählerin (wie die Autorin) die Turkei verlassen; vorher befreit sie sich, indem sie die Anfänge wieder besucht.