Pallieter - Felix Timmermans
Der Verfasser von Pallieter hat Meinungsverschiedenheiten mit der katholischen Kirche aus ähnlichen Gründen wie der Poet von Platero und ich, ist aber noch ein wenig direkter. Als Naturanbeter, interessiert sich Pallieter nur für die Teile der christlichen Religion, die in Beziehung mit Erde, Leben, Fruchtbarkeit, das Alltägliche, gebracht werden können. Er geht nie in die Kirche, sondern erlebt innig und ergriffen religiöse Gefühle in den Feldern und Wäldern. Für ihn ist Gott der, der Leben spendet, und wird durch seine Schöpfung geliebt. Dagegen muss die übliche Frömmigkeit kleinlich und stumpfsinnig erscheinen.

Am schärfsten schildert der Autor den Gegensatz zwischen eine Prozession, um ein Heiligenbild anzubeten, mit seinen schwachen, eitlen Teilnehmer, die lächerlichen Marienbildkram zurückbringen; und Pallieters gleichzeitiger Ritt, um seine Verlobte beim Baden zu erspähen, von dem er mit einem festen Hochzeitstermin zurückkehrt. Das nackte Mädel heißt übrigens Mariechen.

Wenn ich Schlüsse machen darf über die allgemeinen Meinungen des Autors (und ich glaube, ich darf es, da hier so viel Symbolisches steht), bemerke ich eine gewisse Abschwächung der herkömmlichen Begeisterung für die Frauen. Sie verkörpern zwar die gebärende Erde, aber nur unvollkommen -- es kann sein, dass der Autor begann, der gegenwärtigen Selbstäußerung der Frauen gewahr zu sein, und erfand es als einen Makel an ihnen. Aber die Natur ist die Frau schlechthin, wogegen Menschenfrauen nicht aufkommen können (siehe oben). Sie sind zweimal unzulänglich, weder der höchsten geistigen Empfindungen fähig, noch reinste Erdenkraft besitzend. Mariechen ist besser als alle anderen, erstens weil sie Pallieter folgt mit einer blinden, willenlosen Liebe, und zweitens weil sie prallvoll von Saft und Fruchtbarkeit ist -- sie gebärt Drillinge, und wird noch, wie der Pastor sagt, "einen ganzen Bienenkorb voll Kinder" in die Welt bringen.

Der Held dieser Geschichte ist im höchsten Grad idealisiert, und auch seine Umgebung. Pallieter ist reich, wir wissen nicht wie; er arbeitet selten, was nur skizzenhaft geschildert wird. Er wirft mit seinen Geld herum, um seine fröhliche Einfälle durchzusetzen, und wird dabei fast immer mit Begeisterung empfangen. Dagegen schildert der Autor alle Beschäftigungen, die das Geld als Ziel haben, sehr negativ (von dem Betteln und dem Treiben fahrender Musikanten abgesehen). Das schöne Land läuft über von Reichtum, Essen gibt es in Überfluss, ländliche Arbeiten zu machen muss sicher eine Freude sein.

(Wer bemerkt, daß diese Geschichte und sein Held mich am Ende ein wenig genervt haben, hat recht.)